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Wenn ich an Polen denke..

polnischer Grenzstein

Wenn ich an Polen denke, denke ich nicht daran meine Tasche gut zu verschließen. Ich denke nicht an billige Zigaretten und Nachtclubs. Nein, wenn ich an Polen denke, denke ich zuerst an meine sehr sympathische, intelligente und wunderschöne Frau Agnieszka. Ich denke an ihre große und herzliche Familie, die nunmehr auch ein Teil meiner Familie ist. Ich denke an ein äußerst höfliches Volk, dessen Riten auf mich wie aus einem früheren Jahrhundert wirken. Ich denke an wunderschöne Landschaften, Strände, Wälder, Seen, Gebirge und an liebevoll restaurierte Altstädte. Und ich denke an eine der schwierigsten Sprachen, die mir bisher untergekommen ist.

Ich möchte an dieser Stelle keine Loblieder über unseren östlichen Nachbarn trillern, sondern vielmehr dazu ermuntern, eine Reise in das von uns Deutschen zu Unrecht geächtete europäische Land zu machen. Die nachfolgenden Tipps sind Handlungsempfehlungen, die helfen sollen, einen solchen Ausflug so gelungen wie möglich zu gestalten.

Der Pole

Wie schon oben angedeutet wurde, sind die Polen Meister der guten Manieren. Der gut erzogene Pole hält den Frauen die Türen auf, entlastet das holde Weib von allem möglichen Ballast und darf sich im Gegenzug der unumschränkten häuslichen Fürsorge erfreuen. Was für uns "emanzipierte" Deutsche bereits etwas altertümlich und befremdlich wirken mag, ist ein fester und wichtiger Bestandteil der polnischen Kultur. Wer sich hier anpasst, geht bereits erfolgreich den ersten Fettnäpfchen aus dem Weg.

Der gemeine Pole ist in der Regel auch katholisch. Demnach gehört der regelmäßige Sonntagsgottesdienst ebenso zum guten Ton, wie das Feiern von kirchlichen Festtagen im trauten Bunde der Familie. Und die Polen sind stolz auf sich und ihre Geschichte. Wer diesem Stolz mit unüberlegtem Humor begegnet, indem er beispielsweise einen flachen Witz über Papst Johannes Paul II. reißt, hat alle Chancen geteert und gefedert zu werden.

Besonders freuen sich die Polen über Ausländer, die sich mit der polnischen Sprache versuchen. Bereits ein „Dzien dobry“ (Djien dobre), „Czesc“ (Tschäschtsch) oder „Co slychac“ (Zo swüchatch) kann auf einfache Weise als Türöffner dienen.

Wodka trinken

In Polen wird gern ausgiebig gefeiert. Nicht nur unter Männern ist hier der polnische Wodka ein unbedingtes Muss. Aber aufgepasst: Um im Eifer des Gefechts nicht derbe über der Kloschüssel zu landen, empfiehlt es sich, die folgenden Regeln zu beachten:

1. Vor dem Trinken das Essen nicht vergessen. In der Regel wird dieses zu festlichen Anlässen reichlich in allen Variationen von der Suppe, über den Braten bis hin zum Kuchen gereicht. Erst wenn der Magen gut gefüllt ist (bevorzugt mit fettigen Speisen), hat man eine gute Vorraussetzung, den Wodkaflaschen standzuhalten.

2. Nach dem Trinken das Trinken nicht vergessen. Die einzige Chance, einen Wodkaabend unbeschadet zu überleben, besteht zudem darin, nach jedem Schlückchen Wodka einen großen Schluck Alkoholfreies (Saft, Wasser, etc.) zu sich zu nehmen.

3. Sortenrein Trinken. Auch wenn das polnische Bier noch so lockt, wer sich einmal auf den Wodka eingelassen hat, sollte dann auch dabei bleiben.

4. Trinktempo drosseln. Macht Euch keine Sorgen, Ihr werdet stets ein volles Gläschen vor Euch zu stehen haben. Aber seid auf der Hut. Der Versuch im Eifer des Gefechts durch übertriebenes Zulangen beeindrucken zu können, kann schnell auf dem stillen Örtchen  enden. Wer sich hier etwas in Zurückhaltung übt und auch mal mit dem höflichen Verweis auf eine kleine Pause die eine oder andere Runde aussetzt, wird wahrscheinlich mehr vom Abend und vom nächsten Tag haben.

5. Viel bewegen. Gerade auf größeren Familienfesten, wie Hochzeiten, wird in Polen gern mal das Tanzbein geschwungen. Diese Gelegenheit sollte unbedingt wahrgenommen werden, um den Kreislauf in Fahrt zu bringen. Nach einigen Tänzen dürfte auch relativ deutlich werden, auf wie viele Gläschen man sich noch einlassen kann.

6. Kein Alkohol im Straßenverkehr. Aufgrund schwerwiegender Probleme mit Alkohol im Straßenverkehr hat der polnische Staat ein strenges Reglement entwickelt, welches auch bei Ausländern resolut umgesetzt wird. Das Fahren von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern!! ist im alkoholisierten Zustand eine Straftat. Die Grenzen sind hierbei so tief angesiedelt, dass man diese quasi mit dem Verzehr einer Praline überschreitet. Nehmt lieber ein Taxi oder die günstigen öffentlichen Verkehrsmittel.

Das polnische Land

An dieser Stelle würde es zu weit führen die reichhaltigen Sehenswürdigkeiten Polens aufzuzählen. Hierzu gibt es viele gute Reiseführer. Empfehlenswert sind die polnische Ostsee, das Seengebiet der Masuren und das Gebirge. Wer sich für Städte interessiert sollte unbedingt Wroclaw, Krakow, Warschau und Gdansk gesehen haben.

Einkaufen, Unterkunft, Transportmittel

Die Preise in Polen gleichen sich mehr und mehr den deutschen an. In den Importbereichen wie Technik liegen sie sogar über den deutschen. Preiswert sind Dienstleistungen wie der Friseur oder Taxifahrten. Auch die polnischen Lebensmittel sind durchaus günstig.

Die touristischen Zentren verfügen über eine gut ausgebaute Infrastruktur mit vielen Übernachtungsmöglichkeiten. Die Palette reicht von privater Unterkunft bis hin zum Luxushotel. Wer keine Lust auf langes Suchen hat, sei der Reiseführer „Lonely Planet“ (ab 15€ z.b. bei www.amazon.de) ans Herz gelegt. Dieser gibt neben vielen Infos zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten einen super Überblick über die Übernachtungsmöglichkeiten einer Stadt. Hotelbuchdienste wie www.booking.com bieten ebenfalls Möglichkeiten ein echtes Übernachtungsschnäpchen zu schlagen.

Polen verfügt in den westlichen Gebieten über ein relativ gut ausgebautes Schienennetz. Die restlichen Städte sind in der Regel mit Bussen erreichbar. In den größeren Städten ist ein müheloses Fortkommen mit den Öffentlichen möglich. Die Fahrpreise sind verglichen mit den deutschen extrem günstig. Auch die Taxipreise sind recht erschwinglich. Die liegen im Schnitt bei 1 € je Kilometer. In Warschau geht’s auch schon für die Hälfte des Preises. Die Taxis müssen den Kilometerpreis an den Fenstern ausweisen. Tachometer anstellen lassen!!

Falls ihr Polen auf den eigenen vier Rädern erobern wollt, seid gewarnt!! Ich will es mal so formulieren: Deutschland verfügt über ein extrem gut ausgebautes Straßennetz, deutsche Fahrer befolgen in der Regel die Straßenverkehrsordnung und der deutsche Fuhrpark ist ziemlich frisch. Es ist ein Fehler davon auszugehen, daß dies auch in anderen Ländern der Fall ist.

So. Genug geschrieben. Ich wünsche Euch nun viel Spaß dabei, ein eigenes Bild von diesem wunderbaren Land zu machen.

2010-05-21 09:37:20 bigfOOD bigfOOD

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